Im Advent 1984 folgte der Chor der Stadt Rüthen einer Einladung des Magistrats der Stadt Wien zum konzertanten Singen in der Musikmetropole – eine besondere Auszeichnung für den Rüthener Chor und seinen Dirigenten Ferdinand Koch. Ausgewählte Chöre aus der Bundesrepublik wurden alljährlich nach Wien geladen, um dort in der Vorweihnachtszeit aufzutreten.
Die Chormitglieder nahmen die ehrenvolle Aufgabe so ernst, dass sie nach der mehr als 12-stündigen Busreise noch eine fast zweistündige Chorprobe absolvierten. Erster Auftritt war ein zweiständiger Liederabend im Pensionistenheim Aiszeile vor mehr als 200 älteren Musikliebhabern – darunter eine 98-jährige einstige Opernsängerin, deren sachkundige Kritik die Rüthener sichtlich beeindruckte.
Höhepunkt der Reise war die Gestaltung des Festhochamts in der Haydn-Kirche St. Ägyd, Gumpendorf – jener Kirche, in der Joseph Haydn getauft wurde, das Orgelspiel erlernte und seine Frühwerke erklangen. Die hervorragende Akustik des Barocksaals ließ den Chor über sich hinauswachsen. Pfarrer und Gemeinde zeigten sich begeistert.
Das Rahmenprogramm des Magistrats umfasste Besuche in der Wiener Staatsoper (Die verkaufte Braut), im Burgtheater (Der Unbestechliche) und im Theater an der Wien (Cats). Besichtigungsfahrten zu Schönbrunn, Stephansdom, Votivkirche und Karlskirche rundeten die Reise ab. Ein Ausflug in die Wachau mit Besuch der Benediktiner-Abtei Melk schloss das Programm ab.
Die Begeisterung war so groß, dass einige Mitreisende spontan ihren Beitritt zum Kammerchor Rüthen erklärten.
Quelle: Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des Kammerchors Rüthen (1988)